Teneriffa: 5 Jahre später

Die Rückkehr an einen alt vertrauten Ort hat irgendwas magisch-verwirrendes an sich. Teneriffa ist der Inbegriff meines ich-bin-jung-und-fliege-in-den-Partyurlaub-mit-Freundinnen Lebensabschnitts. Geprägt von billigen, alkoholischen Getränken, Nächten in High-Heels und der Feststellung: alles hat mal ein Ende.

Dieses Kapitel war für mich eigentlich abgeschlossen, aber wie es der Zufall so will: 5 Jahre später finde ich mich wieder mit meiner besten Freundin hier und alles ist fast genauso wie es damals war. Die Musik dröhnt laut, viele betrunkene Briten, Sonnenschein – aber wir sind nicht mehr 19 Jahre alt.

Es gab viele Momente des „war das nicht der Ort, an dem dies und jenes passiert ist ?!“ – und viele dieser Orte sehen auch noch genau so aus wie sie schon vor 5 Jahren ausgesehen haben. Das Neon-Schild vom Jumping Jacks blinkt noch immer in verschiedenen Rosa- und Pinktönen und auch die Angebote sind noch die Selben.

Ab und zu habe ich mir auch die Frage gestellt was wirklich passiert wäre, wenn wir wie geplant ein Jahr später dort selbst ein paar Monate gearbeitet hätten. Die Luft auf der Insel verleitet einen immer wieder zu Träumen, sich zu fragen „was wäre, wenn“ und festzustellen, dass es so viele Möglichkeiten auf dieser Welt gibt. Wir limitieren uns nur viel zu oft und denken „das ist alles“, wobei „alles“ nie genau das widerspiegelt was wirklich möglich ist.

Ich verlasse im Moment die Insel mit dem Gefühl: werde ich jemals wieder hier her kommen? Auch 2013 hatte ich bereits dieses Gefühl und hatte keinen blassen Schimmer was sich noch alles ändern würde, bis ich wieder zurück komme.

Der Versuch, sich selbst in eine Art Zeitkapsel zu stecken und das selbe wie vor 5 Jahren zu erleben ist gescheitert. Aber das ist auch gut so. Playa de las Americas und der Veronicas Strip mit den vielen Bars ist immer noch das was es in meiner Erinnerung ist.

Was „Neu“ ist bin ich und meine 5 Jahre mehr Lebenserfahrung, die es zu etwas Anderem aber nicht unbedingt schlechterem machen.

Ich habe mittlerweile kein Problem mehr damit, dass ganze aus ein bisschen mehr Entfernung zu betrachten und verstehe auch nun warum so viele Menschen dann aufhören wenn es am schönsten ist – es kann nicht besser werden.

Teneriffa ist ein Stück Erde, welches immer einen sehr besonderen Platz in meinem Herzen haben wird. Ich habe hier einige der besten Nächte meines Lebens verbracht und viele Leute kennengelernt, lustige Gespräche geführt und auch ein bisschen britische Kultur mit nach Hause genommen.

2013 saß ich nach dem Rückflug weinend und etwas angepisst am Flughafen, weil die Rückfahrt nach Hause nicht gleich so lief wie ich es mir vorgestellt hatte. 5 Jahre später weiß ich, dass ich weder aus Müdigkeit, Enttäuschung oder Wut geweint habe. Meinem Herzen war damals schon bewusst, dass manche Dinge nicht nochmal so werden können wie sie einmal waren und das diese Zeit einmalig war.

Teneriffa, ich liebe dich – heute, sowie auch schon vor 5 Jahren.

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